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Wo ist Lena die Rampensau? Oder war das alles zu viel für sie?
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: My Cassette Player (Audio CD) Ich gehöre zu denen, die sich von der ersten Minute an von diesem wundervollem Mädchen verzaubern ließen. Wie sie da so stand mit ihrem verschmitztem Lächeln und loslegte "ay ay..." Das hatte eine Präsenz und Anmut, wie ich es schon lange nicht mehr gesehen und gehört hatte. Und beim bloßen Hören der natürlich sogleich herunter geladenen Videos der Casting Staffeln und zur CD verarbeiteten Audio-Songs, viel mir auf, wie man, selbst ohne die Bilder vor sich zu haben, diese Freude und Frechheit, diesen Schalk er-hören und wahrnehmen kann.
All das ist bei der vorliegenden CD leider wie weggeblasen. Vielleicht wurde hier die Persönlichkeit einfach zu stark wegproduziert, möglicherweise aber ist die Müdigkeit, die hier an Stelle der Lebendigkeit und Fröhlichkeit der Liveauftritte zu weilen unüberhörbar ist, dem Stress und einer überhasteten Produktion geschuldet. Am deutlichsten wird dies in den Songs "My Same" "New Shoes" und "Mr. Curiosity", die für die CD neu produziert wurden. Hört man sie im direkten Vergleich zu den Liveauftritten von USFO, glaubt man fast einer anderen Sängerin zu lauschen. Wo ist die einfühlsame Zartheit, die rührende Feinfühligkeit und Zerbrechlichkeit in "Mr. Curiosity" geblieben? Wo ist das Strahlen, die Frische und die Freude, wo die kleinen Genialitäten und Artefakte, die die Live Auftritte von Lena zu einem unterhaltsamen Kunstgenuss machten und wenigstens teilweise auch immer noch machen, wenn man die Auftritte in diversen Fernsehformaten verfolgt?
Das was allerorten an Lena gelobt wird, ihre Authentizität (ich würde eher sagen: lebendige Natürlichkeit), konnte sie leider nicht ganz mit auf die CD nehmen. Schade. Eine Lehre sollte sein, dass die Produktion einer wirklich guten CD länger braucht als ein, zwei Wochen. Und eine Bitte an die Produzenten: Lasst Lena doch Lena sein. Dann wirds auch bei der nächsten CD, die hoffentlich kommt, wieder lebendig(er). Eins macht das Album jedenfalls klar: Da ist noch sehr viel Luft nach oben - bitte schöpft das beim nächsten Album aus, denn Lena hat das Zeug zu wesentlich mehr.
Über die einzelnen Lieder und ihre Qualität selbst wurde hier schon einiges, wie ich finde auch Richtiges geschrieben, daher nur dies: Gute Songs sind das A und O einer guten Sänger-Karriere. Mit der Auswahl ihrer Songs bei USFO hat Lena Gespür für die richtigen Songs bewiesen. Leider kommen die vorliegenden neuen Lieder allesamt und wie ich finde inklusive Sattelite oder Bee nicht an die Qualität von "My Same", "Diamond Dave", "Mouthwash", "New Shoes" oder "Mr. Curiosity" heran. Für Lenas Zukunft als Sängerin wird ganz entscheidend sein, ob sie die Songschreiber findet, die ihr das richtige Material liefern können, oder besser noch, ob sie es lernt selbst gute Songs zu schreiben.
Noch eins: Der Hang so vieler Rezensenten und Kritiker, Musiker und Künstler miteinander zu vergleichen und zu kategorisieren, stammt wohl stets aus einem Buchhalterhirn. Ob bei Lena zu viel oder zu wenig Kate Nash oder Stefanie Heinzmann drin ist, ob da etwas imitiert wird, ob das Englisch so gut oder schlecht wie ein Bauarbeiter-Englisch ist... Solche Fragen interessieren eigentlich nur Menschen, die nie gelernt haben Musik zu hören ohne voreingenommen zu sein.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 9. Mai 2010 |